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Ein Jahr Auszeit

Nun ist der Tag gekommen. Ich sitze am Flughafen und habe gerade zwei riesige dicke Koffer mit jeweils schlappen 20 Kilogramm eingecheckt. 

Ich betone: Die Taschen haben alle keine Rollen! Ansonsten habe ich die Anfahrt zum Flughafen ja immer mit der stinkenden Bremer Straßenbahn 6 erledigt, aber heute hielt ich das für übertrieben mutig. Taxi! 

Der letzte Abend wurde mir durch meine KollegInnen versüßt. Sie luden mich in ein syrisches Restaurant ein – ohne zu wissen, dass es mein ausgesprochenes Lieblingsrestaurant ist! Sehr coole Sache. Ein toller Abend mit abwechslungsreichen und zu herzengehenden Sätzen wie „Wer loslässt hat beide Hände frei“ oder „Määh!“.  Schulmeisterei halt. Danke nochmal dafür! 🙂 

Nun steh ich hier also in der Check-in-Reihe und steh mir die Beine in den Bauch. Ich denke an die Kartoffelpflanzen auf dem Acker in Håkannäs, die durch das wuchernde Unkraut blind und leidend seid Wochen auf mich persönlich warten, um endlich voller Freude in die Hände klatschen zu können: „Jippiejaja-jippiejippie-jäi!“. 

Ich denke auch an die duftenden Hinterlassenschaften von 13 erwachsenen und neun heranwachsenden Schafen. Die dunklen Knödel suppen fest zusammengepresst im Stall vor sich hin und versprechen, nächstes Jahr der beste Kompost der Welt zu sein. Dafür fordern sie aber von mir selbstverständlich, draußen an die frische Luft auf einen Haufen geschmissen zu werden. Angesichts der fehlenden Maschinen ein wirklicher Haufen – an anstrengender körperlicher Arbeit. Ich habe es ja nicht anders gewollt, ich krankes Hirn. 

Aber ich denke auch an all die lieben Lebewesen, die geküsst werden (wollen): natürlich zunächst Markus, dann unsere Hündin Enya, die Kater Fuzzy und Frodo, Flaschenlamm Shawnie, die kleinen, kuscheligen Kaninchen und die geschlüpften, piepsenden Küken. Ich denke, sie stehen schon Schlange. 

(Naja, ok, nicht ganz…) 

All das male ich mir gerade aus und nehme mir vor, öfter und regelmäßig dieses Blog zu befüllen. Dann werden wir ja alle sehen, was ich davon hab! 

Von wegen Aus-Zeit. Ich werde an-schalten. All die Knöpfe, die man in Bremen nicht braucht. Ich werde nachschauen, ob noch alles funktioniert. Und wenn ich an einigen Stellen eingerostet bin, WD40 drauf!  Oder es quietscht halt, egal! 

Ankunft:

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Die Lämmer sind in diesem Jahr schon sehr früh gekommen. Ende Februar kam das erste Pärchen und im März kam der Rest. So früh war es noch nie. 

Diese Vorboten veranlassten uns, alles andere auch schon zum Leben erwecken zu wollen. Scheinbar wollte ja der Frühling bei uns einziehen. Dachten wir. 

Die erste Ladung Bruteier zum Beispiel. Extra aus Deutschland importiert, da in Schweden schwer aufzutreiben: Vorwerk-Bruteier! Vorwerk-Hühner, eine alte Rasse der Zwiehühner, also Hühnern, die sowohl eine erkläckliche Anzahl an Eiern legen, aber auch Fleisch ansetzen. Genau das brauchen wir! Also: Ab mit denen in den Brüter. Nach den ersten sieben Tagen haben wir die Eier zum ersten Mal geschiert.  Hm. So richtig waren wir uns nicht sicher, aber geahnt hatten wir es schon, so im Rückblick… Irgendwie waren die wohl nicht so richtig befruchtet. Das Ergebnis nach drei Wochen wenden, betreuen, lüften, nachschauen, bangen: Nichts! Heiße Luft! Und den Katzen konnte es recht sein. 

Weiter: Aussäen der Gemüsesamen auf der Fensterbank. Wer da zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wir hatten also nichts Besseres zu tun als alles, was wir an Samen besaßen, in den Ring zu werfen! Jetzt, sechs Wochen später, wissen wir nicht wohin mit dem ganzen sprießenden Kram, denn fürs Umtopfen und ins Gewächshaus raustragen ist es noch viel zu kalt! Siehe Foto vom 12. April:

Es ist irgendwie verhext. Ostern ist da, aber Schweden tut so, als wär nichts. 

Hupfdohlen 

Unsere ersten süßen Lämmchen sind dieses Jahr schon Ende Februar gekommen. So früh waren unsere Schafe noch nie dran. Wenn man so nichts ahnend morgens den Stall betritt, bekommt man plötzlich große Augen, wenn da zwei kleine, vielleicht noch nasse Kinder gerade versuchen, auf die Beine zu kommen. 

Dann ist zunächst Erstversorgung angesagt. Lämmerbucht einrichten, Mama mit Kind oder Kindern dorthin verfrachten und beobachten, wie es allen so geht. Hat Mama überhaupt Milch? Trinken die Kinder? Lässt Mama sie ans Euter? Alles ist nicht immer selbstverständlich. 

Das Wichtigste ist, dass die Kleinen am ersten Tag genügend Biestmilch zu trinken bekommen. Ohne diese Biestmilch (auch Kollastralmilch genannt) haben sie keine Überlebenschance. Die Milch enthält alle Inhaltsstoffe, die sie benötigen, um ihr Immunsystem aufzubauen. Bekommen sie sie nicht, werden sie später von der kleinsten Infektion dahin gerafft. 

Unsere ersten beiden haben die ersten zwei Wochen überstanden. Und drei Weitere haben nun schon das Licht der Welt erblickt. 

Inzwischen hopsen sie durch den Stall wie ein paar Hupfdohlen! 

Alles dreht sich um Enya 

Sabbatical-Vorfreude

Für mich ist es eine einschneidende Entscheidung: Ich werde ab dem 1. Juli 2017 für ein ganzes Jahr ein Sabbatical einlegen und diese gesamte Zeit auf Håkannäs verbringen. Ein ganzes Jahr! Zur freien Verfügung! Was man da alles machen kann!

Zunächst muss ich natürlich dafür alles vorbereiten: Meine Wohnung untervermieten, einen Ausverkauf meiner Habseligkeiten starten, die Formalitäten regeln, meine Eltern und KollegInnen schocken 🙂 , erste Bewerbungen losschicken, den Umzug planen und vor allen Dingen: Pläne schmieden! Ganz schön viel neben meinem Job, aber: muss.

Zunächst habe ich die Kleinanzeigen-Abteilung bei ebay bemüht und stellte fest, dass die nur 50 Einträge pro Monat zulassen. Wahrscheinlich, um die kommerziellen Verkäufer fernzuhalten, was ja auch prinzipiell sehr in Ordnung ist. Leider reicht mir das gar nicht. Nun gut, muss ich die sozialen Netzwerke und andere Portale bemühen. Aber sooo viel habe ich ja auch eigentlich gar nicht mehr, das Wichtigste ist eh schon seit längerem in Håkannäs oder verscherbelt, dafür habe ich die letzten sechs Jahre schon gesorgt. Außerdem habe ich festgestellt, dass mein irgendwann früher gewählte Benutzername immer noch sehr gut passt: loriraeumtauf! Inzwischen ist der Keller geräubert, meine Wohnung geplündert und ich merke: Ich brauche eigentlich auch fast gar nichts wirklich. Was man alles so aufbewahrt! Auch jetzt möchte ich immer noch Dinge gar nicht weggeben, obwohl ich sie gar nicht benutze. Das liegt bisher ja bloß daran, dass ich nie Zeit hatte! Nun stellt sich jedesmal die Frage „Nehme ich es mit oder kann das weg?“. Meistens kann es weg. Ein paar Euros mehr in der Tasche tun ja auch ganz gut.

Ein Untervermieter ist gerade auch in Sicht. Das macht mich froh und lässt mich glauben, dass ich das schon alles auf die Reihe kriegen werde.

Dieses Wochenende habe ich mir selbst über die Kleinanzeigen ein paar Einmach-Gläser in der Nachbarschaft besorgt. Wie ich die nach Schweden kriegen werde, weiß ich noch nicht. Denn wie ich den Umzug organisiere, das ist noch nicht dran! 🙂 Ich bin gespannt, wie viel Zeugs am Ende noch wirklich mitgenommen werden muss. In meiner Vorstellung wären das höchstens  drei Umzugskartons. Na, sagen wir fünf oder sechs. Oder sieben bis acht.

Eine Option für den Transport tat sich zwischendurch schon mal auf: Im Gespräch mit zwei langjährigen, sehr netten Kolleginnen wurde die Möglichkeit fast real, alle Klamotten in den Wohnwagen zu verstauen, der sowieso im nächsten Sommer den Weg nach Skandinavien finden wird, zwecks Urlaubsreise. Das wäre ja granatenmäßig praktisch! Der Wohnwagen inklusive Insassen darf bei uns dafür natürlich kostenlos auf dem Hof campieren, ist klar.

So verbringe ich meine Wochenenden also bislang damit, diese getroffene große Entscheidung auf den Weg zu bringen.

Heute bin ich durch Zufall bei Youtube über das einfache Gerben von Schaffellen gestolpert. Dabei war ich eigentlich auf der Suche nach einer Anleitung zum Handkämmen von Schafwolle. Die hatte ich sogar gefunden und anschließend war ich plötzlich dort gelandet. Was soll ich sagen? Das werde ich auch machen. Ich habe es jedenfalls fest vor.

 

 

 

Lammfleisch-Rezept 

Nichts geht über ein lecker zubereiteten Stück Lamm. 

Heute: Lamm-Hals

  • Mach das überflüssige Fett ab
  • Schneide das Fleisch schräg ein
  • Salz und Pfeffer – schön einmassieren! 
  • Schneide ca. 3-4 Knoblauchzehen in Stifte und stecke diese in die Ritzen
  • Belege das Fleisch mit ordentlich Thymian und Rosmarin – am besten mit frischen Zweigen. Wenn die nicht zur Verfügung stehen reicht auch die getrocknete Variante
  • Begieße das ganze mit Olivenöl – nicht zu viel und nicht zu wenig. 

Dann ab in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen: 1 Stunde in der Auflaufform oder im Bräter bei Ober- und Unterhitze garen. 

Lecker! 

Dazu passt so gut wie alles. 🙂 

Es ist genau richtig!

Liebe Ann, ja, das geht mir genauso!

Ann's Schwedenherz

lagom

Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu kalt oder zu warm, nicht zu viel, nicht zu wenig, nicht zu dick, nicht zu dünn, zu langsam oder zu schnell…. Ihr merkt schon: Genau richtig halt! Und meine lieben Schwedenfreunde,

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